06.04.2010 Kategorie: European Youth Championships
Fazit zu den Jugendeuropameisterschaften
Nach Abschluss der Jugendeuropameisterschaften in Saint Maximin/Frankreich waren unsere Trainer Jimmy Hartmann und Thomas Radke bereit ein Fazit zu ziehen und Ihre Gedanken zur weiteren Vorbereitung der Nationalkaderspieler zu schildern.
F: Jetzt sind die EYC 2010 vorbei, wie sieht euer Fazit aus?
A: Betrachten wir als Erstes die erreichten Top-Platzierungen:
- 3 Medaillen (jeweils Bronze bei den Mädchen im Team, Einzel und Masters)
- Sieg mit Europarekord in der Vorrunde des Mädchen-Teamwettbewerbs
- Platz 5 im Mädchen-Doppel
- Platz 9 im Jungen-Team
- Platz 2 im Mädchen-Einzel in der Vorrunde
- 2 TopTen Platzierungen im All Event der Mädchen
- 3 Masters Qualifikationen Mädchen
- 1 Masters Qualifikation Jungen
Diese Zahlen bescheinigen dem Deutschen Team ein erfolgreiches Abschneiden. Bei dieser Jugend-EM waren 38 Medaillen zu vergeben. Verteilt wurde das Edelmetall an 11 Nationen. Mehr Medaillen als Team Germany (3) errangen Schweden (7), Lettland (6), Finnland (5) und England (4). Die weiteren Nationen sind Dänemark, Russland (jeweils 3), Belgien, Griechenland, Israel (jeweils 2) und Estland (1). Seit der Jugend-EM 2007 in Griechenland konnte unser Nachwuchsteam - trotz zunehmender Konkurrenz (2010 gab es 30 teilnehmende Nationen) - innerhalb von vier Jahren insgesamt 12 Medaillen erringen. Diese Bilanz gehört zum Besten, was der Deutsche Nachwuchs in seiner Geschichte erreicht hat. Wir haben natürlich das klare Ziel im nächsten Jahr, beim Heimspiel in München, diese Bilanz weiter auszubauen.
Medaillenverteilung - EYC 2010
Schweden 7 Medaillen - 5 x Gold, 2 x Bronze
Lettland 6 Medaillen - 2 x Silber, 4 x Bronze
Finnland 5 Medaillen - 2 x Gold, 1 x Silber, 2 x Bronze
England 4 Medaillen - 3 x Silber, 1 x Bronze
Dänemark 3 Medaillen - 1 x Gold, 1 x Silber, 1 x Bronze
Deutschland 3 Medaillen - 3 x Bronze
Russland 3 Medaillen - 3 x Bronze
Griechenland 2 Medaillen - 2 x Silber
Belgien 2 Medaillen - 1 x Silber, 1 x Bronze
Israel 2 Medaillen - 1 x Gold, 1 x Bronze
Estland 1 Medaille - 1 x Gold
Betrachten wir als Zweites den Leistungsstand. An den Ergebnissen ist leicht zu erkennen, dass wir bei den Mädchen weiterhin zu den Top-Nationen zählen. Auch nach der Jugendzeit einer Tina Hulsch, Janin Ribguth und Melanie Birlinger gehen uns die Topspielerinnen nicht aus. In diesem Jahr war es Nadine Motzer, die mit einer Leistungssteigerung nach dem Doppelwettbewerb als Einzelspielerin überragte und dafür mit 3 Medaillen belohnt wurde. Nadine ist seit ihrer Sichtung im Beo-Kader vor drei Jahren im Jugendnationalkader präsent und wir hatten somit die Chance ihre sportliche Entwicklung nachhaltig zu begleiten und zu beeinflussen. Die Kombination eines professionellen Umfeldes, einer sehr guten persönlichen sportlichen Einstellung und der Vorgabe/Prüfung von leistungsbestimmenden Faktoren durch die Jugendnationaltrainer hat Früchte getragen.
Einen weiteren Höhepunkt stellt der Sieg in der Vorrunde im Teamwettbewerb dar. Auch wenn im Halbfinale Schluss war, ein Vorrundensieg über sechs Mannschaftsspiele bei einem internationalen Event wird von der Konkurrenz mit viel Anerkennung honoriert. Wir erinnern uns gerne an die Junioren-WM 2008 in Orlando, wo uns der spätere Weltmeister, das Team Korea, sehr viel Lob für den Vorrundensieg zollte. Auch in St. Maximin konnten wir uns mit dieser Leistung sehr viel Respekt verschaffen. Die Bronzemedaille hat also in gewisser Weise einen goldenen Schimmer und stellt unserem gesamten Team (Spielerinnen, Trainer, Management) ein hervorragendes Zwischenzeugnis auf dem Weg zur Jugend-EM 2011 in München aus. Unsere Mädchen waren sehr stolz, als sie als Team auf dem Abschlußbankett eine Sonderehrung für zwei Europarekorde entgegennehmen durften.
Bei den Jungs haben wir weiterhin ein Delta zur europäischen Spitze. Unsere EM-erfahrenen Spieler konnten den Abstand zu den internationalen Spitzenspielern gegenüber dem Vorjahr halten. Näher herangerückt sind wir noch nicht. Beide Neulinge sammelten bei ihrer ersten internationalen Bewährungsprobe wichtige Erfahrungen. Der 15jährige Christan Birlinger ist von der Jugend-B-DM 2009 praktisch bis nach St. Maximin "durchmarschiert". Auch Jonas Franz ist erst 2009, bei der Jugend-A-DM in Frankfurt, "entdeckt" worden. Die diesjährige Jugend-EM wird die sehr gute Entwicklung dieser beiden Spieler forcieren.
F: Welche Faktoren der EM-Vorbereitung waren für die erreichten Erfolge ausschlaggebend?
A: Wir möchten diese Frage mit folgenden Anstrichen beantworten:
- Durchgehende Trainingsdisziplin
- Erhöhte Transparenz bei der Trainingsdurchführung
- Langfristiger methodischer Trainingsaufbau mit den Schwerpunkten Kondition-Spieltechnik-Spieltaktik-Materialeinsatz (in dieser Reihenfolge)
- Teambuilding durch Vertrauen (Sportler-Trainer-Management)
- Anpassung der Anforderungen bzgl. Kondition und Dynamik an die internationale Entwicklung
F: Worin bestehen die Potentiale für die weitere positive Entwicklung?
A: Für unsere Top-Nachwuchsspielerinnen und -spieler gilt es den mentalen Bereich weiter zu entwickeln. Wir haben im vergangenen Jahr viele Basics in den Nationalkaderlehrgängen bewerten/bearbeiten müssen (Motorik, Dynamik, Taktik). Dabei kam das Training im mentalen Bereich etwas zu kurz. Noch lassen sich unsere Spielerinnen und Spieler durch äußere Einflüsse vor und während des Wettkampfes beinflussen/verunsichern. Die vollste Konzentration auf den jeweils nächsten Wurf, egal was zuvor gelungen oder misslungen ist, in diesem Punkt haben wir noch ein erhebliches Entwicklungspotential. Wir werden zukünftig diesbezüglich methodische Trainingsschwerpunkte setzen und müssen das Erlernte vor der nächsten EM auf internationalen Parkett anwenden.
Wir benötigen aus den Ländern ein größeres Angebot an gut ausgebildeten D-Kaderspielern. Solange wir im Nationalkader Zeit für die Vermittlung der Basics, insbesondere im Bereich der Motorik und Taktik, investieren müssen, fehlen uns diese Zeitfenster für die Entwicklung der darauf aufbauenden Spieleigenschaften. Ohne einen perfektionierten Bewegungsablauf, der u.a. mit einer sehr guten und immer gleichen Endposition abschließt, wird es nicht möglich sein auch einmal acht und mehr identische Würfe zu machen, so wie es uns die Topspieler der Konkurrenz vormachen. Was wir dafür benötigen ist eine professionelle Trainingseinstellung der aktuellen und potentiellen Nationalkaderspieler. Die Spielerinnen und Spieler müssen mit Hilfe ihres unmittelbaren Trainingsumfeldes ein Zeitmanagement anwenden, welches in jedem Trainingszyklus den quantitativen Erfordernissen gerecht wird. Über unser neues Trainingsberichtssystem konnten wir festsstellen, dass hier ein erhebliches Potential schlummert. Eines können wir, auch nach Gesprächen mit Trainern der anderen Nationen, mit Bestimmtheit sagen, bei unserer Konkurrenz um die Medaillenränge gibt es einen ganzjährigen Focus: den Bowlingsport! Die Trainings- und Wettkampfeinstellung wird dort auch dadurch gefördert, dass es entweder viele nationale Mitbewerber um die Auswahlplätze gibt oder die generelle Förderung von einer bedingungslosen Einstellung zum Sport abhängt.
Vielen Dank für Eure offenen Antworten!
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