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Von links nach rechts: Generalsekretär Rune Widell, Sergey Lisitsyn, Präsident Addie Ophelders, Vizepräsident Kim Thorsgaard Jensen, Roni Ashkenazi, Valgeir Gudbjartsson, Onder Gurkan (Foto: Keith Hale)

Von links nach rechts: Generalsekretär Rune Widell, Sergey Lisitsyn, Präsident Addie Ophelders, Vizepräsident Kim Thorsgaard Jensen, Roni Ashkenazi, Valgeir Gudbjartsson, Onder Gurkan (Foto: Keith Hale)

Samstag, 6. Juni 2009

Kongress der Europäischen Bowlingverbände verlief harmonisch

Am 03.06.2009 versammelten sich die Vertreter der europäischen Bowlingverbände zum Kongress der European Tenpin Bowling Federation (ETBF) im dänischen Aalborg. Dank eines reibungslosen Verlaufs konnte eine lange Tagesordnung in nur fünf Stunden abgehandelt werden.

Zur Debatte standen einige auch für das deutsche Bowlinggeschehen wichtige Punkte. Alle getroffenen Entscheidungen fielen im Sinne des Sports aus und wurden von den rund 40 Delegierten aus 19 Nationen nahezu ausschließlich einstimmig getroffen. Unter den Teilnehmern befanden sich auch der Vizepräsident der Federation Internationale des Quilleurs (FIQ) Joan Ricard und der Präsident der World Tenpin Bowling Association (WTBA) Kevin Dornberger.

Nach informativen Berichten des ETBF-Präsidiums über die Tätigkeit in den vergangenen zwei Jahren stellte Onder Gurkan, Mitglied des ETBF-Präsidiums, die systematische Entwicklung von Trainings- und Lehrkonzepten durch die ETBF in Zusammenarbeit mit den Nationalverbänden vor.

Die vielversprechenden Ansätze aus diesen neuen Angeboten der ETBF werden bereits in Aalborg mit dem Trainerstab diskutiert werden. Auf großes Interesse auch bei den deutschen Vertretern stieß die mögliche Zertifizierung von Bowlinganlagen als ETBF Training Center. Einige Neuerungen ergeben sich für den Ablauf künftiger internationaler Wettbewerbe. Zunächst wurde nach kontroverser Diskussion entschieden, bei Europameisterschaften künftig gänzlich auf Ballchecks zu verzichten. Hauptargumente für die Abschaffung waren der immense zeitliche Aufwand für eine vollständige Kontrolle sowie die Ergebnisse umfangreicher Analysen, die der Gewichtsverlagerung in Bowlingbällen einen völlig untergeordneten Einfluss gegenüber der Wahl des Ballmaterials und der Oberflächenbeschaffenheit bescheinigen. Diese Regelung tritt international bereits ab dem European Champions Cup 2009 in Kraft. Auf nationaler Ebene wird über das künftige Verfahren durch den DBU-Sportausschuss zu entscheiden sein.

Abgelehnt wurde hingegen der Vorschlag, die Ausrichtung von Europameisterschaften künftig durch kommerzielle Anbieter zu ermöglichen. Auch die deutschen Vertreter Roland Mück und Florian Fister vertraten die Auffassung, dass die Nationalverbände weiterhin zwingend in die Ausrichtung eingebunden sein müssen, um eine Durchführung im Sinne des Sports zu gewährleisten und eine Kommerzialisierung dieser Veranstaltungen zu verhindern.

Ebenfalls abgelehnt wurde die vorgeschlagene Aufhebung der Beschränkung auf maximal 6 Bälle je Spieler in Europameisterschaften mit der Begründung, dass eine unbeschränkte Anzahl zulässiger Bälle den jeweiligen Heimteams einen Vorteil verschaffe.

Kein weiterer Verband konnte sich dem schwedischen Antrag anschließen, die Altersgrenze für Jugend-Europameisterschaften um zwei Jahre anzuheben und diese damit den Jugend-Weltmeisterschaften anzugleichen. Vielmehr soll nun von europäischer Seite versucht werden, die für Jugend-Weltmeisterschaften geltende Altersgrenze nach der bereits vollzogenen Senkung von 23 auf 21 Jahre weiter auf 18 Jahre abzusenken, wie in Deutschland und Europa seit jeher üblich.

Da die WTBA in ihrem kommenden Kongress im August in Las Vegas voraussichtlich eine Änderung des Turnus künftiger Weltmeisterschaften vornehmen wird, war eine Entscheidung zu treffen, in welchem Rhythmus künftig Europameisterschaften und damit die Qualifikationen zu den Weltmeisterschaften auf europäischer Ebene ausgetragen werden. Vorbehaltlich einer entsprechenden Entscheidung in Las Vegas werden damit die Europameisterschaften 2010 (Damen in Lettland) und 2011 (Herren, Ort noch offen) jeweils noch nach Geschlechtern getrennt durchgeführt und jeweils im gleichen Jahr die Weltmeisterschaft des anderen Geschlechts (Herren-WM 2010 in München, Damen-WM 2011 in Malaysia). Im olympischen Jahr 2012 wird dann der Turnus der Weltmeisterschaften unterbrochen, dafür werden getrennte Europameisterschaften der Damen (Niederlande) und Herren (Ort noch offen) im gleichen Zeitraum stattfinden, die auch als Qualifikation für die WM 2013 gelten. Diese wiederum werden dann erstmals seit 2001 wieder als kombinierte Veranstaltung für beide Geschlechter stattfinden, der Austragungsort hierfür ist noch offen.

Trotz geordneter Finanzen wurde eine Beitragserhöhung um 10% sowie eine 20%-ige Erhöhung der Teilnehmergebühren an internationalen Veranstaltungen beantragt. Ausdruck des Vertrauens in die ETBF-Führung ist die auch hier ohne Diskussion erfolgte einhellige Zustimmung der Delegierten.

Die abschließenden Neuwahlen brachten nach dem Rückzug des neuen finnischen Präsidenten Harri Järvinen von seiner Kandidatur für ein Amt im ETBF-Präsidium keine Überraschungen. Für jeweils vier Jahre im Amt bestätigt wurden Addie Ophelders als ETBF-Präsident sowie die Präsidiumsmitglieder Onder Gurkan (Türkei) und Valgeir Gudbjartsson (Island).

Bereits beim nächsten Kongress 2011 wird sich das nur für zwei weitere Jahre gewählte Präsidiumsmitglied Sergey Lisitsyn (Russland) wieder zur Wahl stellen müssen, dann gemeinsam mit seinen 2007 für vier Jahre gewählten Amtskollegen Kim Thorsgaard Jensen und Roni Ashkenazi. Für weitere zwei Jahre als Revisoren der ETBF bestätigt wurden Florian Fister (Deutschland) und Jan Edvardsen (Norwegen).